Protonenbestrahlung bei der Behandlung von Prostatakarzinom

Die Bestrahlung von Tumoren mit Protonen gehört seit über 50 Jahren zu den Möglichkeiten, Krebs zu behandeln. So wurden weltweit ca. 40.000 Patienten mit Tumoren in unterschiedlichen Körperregionen mit Protonen bestrahlt.

Im Gegensatz zu der konventionellen Röntgenstrahlung ist die Reichweite der Protonenbestrahlung präzise kontrollierbar. So kann auch bei tief liegenden Tumoren eine zur Heilung ausreichende Dosis gegeben werden. Dabei wird das gesunde Gewebe weitgehend geschont und nur das zu zerstörende Tumorareal wird erfasst.

Dieses unterschiedliche Eindringverhalten liegt an den verschiedenen physikalischen Eigenschaften von elektromagnetischen Wellen (Röntgen) und beschleunigten Kernteilchen, den Protonen.

Zur Fixierung wird für den Patienten eine individuell angepasste Form hergestellt. In diesem blauen Vakuumbett liegend, werden die Protonenbestrahlungen durchgeführt. © Dr. Ralf Hettich

Protonen dringen bis zu 38 cm in den Körper ein

Protonen werden auf ca. 60 Prozent der Lichtgeschwindigkeit beschleunigt und dringen ca. 38 cm in den Körper ein. Dabei geben sie zunächst nur relativ wenig Energie an das Gewebe ab. Im weiteren Verlauf werden die Protonen abgebremst und verlieren an Geschwindigkeit. Je langsamer die Partikel werden, desto höher ist die abgegebene Energie.

Dies führt dazu, dass es am Ende der Protenen-Bahn zu einer regelrechten Energiespitze kommt. Dieses physikalische Phänomen erlaubt die Einstellung der Gewebetiefe, bei der die Energiespitze am höchsten ist. Dieser sogenannte Bragg-Peak ist sehr scharf und fein. Durch die Einstellung der Tiefe des Bragg-Peaks, durch die Beeinflussung der erzeugten Partikelgeschwindigkeit kann die Tiefendosis millimetergenau „dreidimensional“ in den Tumor zielen.

In diesem Therapieraum wird nach einer exakten Positionierung die Protonenbestrahlung durchgeführt. Nach wenigen Minuten ist der Bestrahlungsvorgang abgeschlossen. © Dr. Ralf Hettich

Protonentherapie hat einige Vorteile

Die klinischen Vorteile der Protonentherapie lassen sich folgendermaßen beschreiben:

  • Nebenwirkungen sind deutlich verringert. Der Körper wird weniger belastet als bei einer Röntgentherapie.
  • Es zeigt sich eine gute Verträglichkeit, da die Schadensdosen im gesunden Gewebe verringert werden
  • Die Behandlungen können ambulant erfolgen. Die Anzahl der Sitzungen ist geringer als bei Röntgenbestrahlungen.
  • Das Risiko eines sekundären Tumors als Spätfolge sinkt erheblich.

Protonenbestrahlung der Prostata erfolgt mit einem rektalen Ballon

Da es sich bei der Prostata um ein bewegliches Organ handelt, ist es erforderlich, die Prostata in eine bestimmte Position zu bringen. Für diese Lagestabilisierung wird vor der Bestrahlung ein Ballon in das Rektum geführt und mit ca. 120 ml Wasser gefüllt. Auch besteht die Möglichkeit der Markierung der Prostata mit Goldkügelchen, die in einer vor jeder Bestrahlung durchgeführten Röntgenpositionskontrolle in der gewünschten Lage einjustiert werden.

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Das erste europäische Protonenbestrahlungszentrum ist in München eröffnet

In München wurde im Jahr 2009 das erste klinische Protonentherapie-Zentrum von Europa eingeweiht. Das Rinecker Proton Therapy Center (RPTC) bietet die Behandlung von Tumoren mit der Protonentherapie an. Neben Tumoren im Schädel, im Thorax und im Abdomen wurden auch schon Prostatakarzinome erfolgreich behandelt.

Bei der Patientenhotline *49 (0) 89 660680 können Sie sich Informationen einholen und die Anmeldeunterlagen anfordern. Nach einer eingehenden Prüfung Ihrer Unterlagen erfolgt nach der Einbestellung in die Sprechstunde und gegebenenfalls einer durchgeführten Diagnostik die Entscheidung zur Protonentherapie.

Die Adresse des Rinecker Proton Therapy Center lautet:

Franz-von-Rinecker Straße (Schäftlarnstraße 133)

81371 München
Tel: +49 (0) 89 660680
Fax: +49 (0) 89 66068-100
Mail: patient@rptc.de
Internet: http://rptc.de

Mi den besten Wünschen für Ihre Männergesundheit

Ihr Dr. Ralf Hettich

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8 Antworten zu Protonenbestrahlung bei der Behandlung von Prostatakarzinom

  1. Im März 2014 wurden erstmals 5 Jahres Langzeitergebnisse der Protonenbestrahlung bei Prostatakrebs in einem hochrangigen amerikanischen Wissenschaftsmagazin publiziert. Insgesamt wurden in 3 hier zusammengefassten Studien 211 nicht metastasierte Prostatakrebs – Patienten mit Protonen behandelt und über einen Zeitraum von durchschnittlich über 5 Jahren (5,2 Jahre) nachbeobachtet. Ziel der Beobachtung war es die Wirkung der Therapie auf Tumorkontrolle und Überleben, wie auch die Verträglichkeit zu untersuchen. Hierbei zeigte die Studie exzellente Ergebnisse.

    Um eine genaue Beurteilung zu ermöglichen, wurden die Patienten entsprechend der internationalen Prostatakrebs – Leitlinien je nach Schwere der Erkrankung in 3 Risiko-Gruppen unterteilt.

    So erhielten Patienten mit Hoch-Risiko Prostatakrebs entsprechend dem damaligen Wissensstand noch zusätzliche Behandlungen mit Hormon- und Chemotherapie.

    Nach 5 Jahren Nachbeobachtung konnten folgende Ergebnisse ermittelt werden:

    1. Tumorkontroll -Rate nach 5 Jahren:

    Prostatakarzinom mit niedrigem Risiko: 99%
    Prostatakarzinom mit mittlerem Risiko: 99%
    Prostatakarzinom mit hohem Risiko: 76%

    2. Rate an schweren Nebenwirkungen gemäß internationaler Einteilungsrichtlinie CTCAE Version 3.0 (bzw. aktueller Version 4.0)

    Schwere Nebenwirkungen am Darm (z.B Blutung des Enddarmes): 1% (0,5%)
    Schwere Nebenwirkungen am Harntrakt (z.B Inkontinenz): 5,4% (1%)

    Insgesamt konnte dadurch erstmals im Langzeitverlauf die Effizienz dieser neuen Behandlungsmethode bei nicht metastasiertem Prostatakrebs untersucht werden.

    Nach Einschätzung der Authoren, die ich persönlich auch teile, handelt es sich um eine äußerst effektive Therapie.

    Je nach Strenge der Bewertungskriterien kann man sagen, dass 93,6 bis 98,5% der Patienten die Behandlung gut vertragen haben.

    Zusätzlich konnte in den ersten 5 Jahren bei bis zu 99% der Patienten kein PSA -Anstieg verzeichnet werden. Selbst bei Patienten mit sehr aggressivem und fortgeschrittenem Prostatakrebs hatten immerhin ca. 3/4 der Behandelten einen lang dauernden Vorteil durch die Kombination aus Protonenbestrahlung und Hormon-/Chemotherapie. Da man heute aber weiß, dass die Ansprechrate auf die Chemotherapie bei Prostatakrebs eher gering ist, bleibt die Hoffnung mit neu zugelassenen Substanzen (u.a. z.B. Arbirateronacetat) in Zukunft noch bessere Ergebnisse erzielen zu können.

    Im Anschluss an diesen Artikel finden Sie das Abstract der Studie im englischen Original und einen link zum Quelltext der medizinischen Datenbank pub-med.org

    Bei Fragen zum Thema Protontherapie von Prostatakrebs biete ich Beratung in meiner onkologischen Ordination an.

    Ihr,

    OA Dr. David Kuczer

    Int J Radiat Oncol Biol Phys. 2014 Mar 1;88(3):596-602. doi: 10.1016/j.ijrobp.2013.11.007.
    Five-year outcomes from 3 prospective trials of image-guided proton therapy for prostate cancer.

    Mendenhall NP1, Hoppe BS2, Nichols RC2, Mendenhall WM2, Morris CG2, Li Z2, Su Z2, Williams CR3, Costa J3, Henderson RH2.
    Author information

    1University of Florida Proton Therapy Institute, Jacksonville, Florida. Electronic address: menden@shands.ufl.edu.
    2University of Florida Proton Therapy Institute, Jacksonville, Florida.
    3Division of Urology, College of Medicine, University of Florida, Jacksonville, Florida.
    Abstract

    PURPOSE:

    To report 5-year clinical outcomes of 3 prospective trials of image-guided proton therapy for prostate cancer.

    METHODS AND MATERIALS:

    A total of 211 prostate cancer patients (89 low-risk, 82 intermediate-risk, and 40 high-risk) were treated in institutional review board-approved trials of 78 cobalt gray equivalent (CGE) in 39 fractions for low-risk disease, 78 to 82 CGE for intermediate-risk disease, and 78 CGE with concomitant docetaxel therapy followed by androgen deprivation therapy for high-risk disease. Toxicities were graded according to Common Terminology Criteria for Adverse Events (CTCAE), version 3.0. Median follow-up was 5.2 years.

    RESULTS:

    Five-year rates of biochemical and clinical freedom from disease progression were 99%, 99%, and 76% in low-, intermediate-, and high-risk patients, respectively. Actuarial 5-year rates of late CTCAE, version 3.0 (or version 4.0) grade 3 gastrointestinal and urologic toxicity were 1.0% (0.5%) and 5.4% (1.0%), respectively. Median pretreatment scores and International Prostate Symptom Scores at >4 years posttreatment were 8 and 7, 6 and 6, and 9 and 8, respectively, among the low-, intermediate-, and high-risk patients. There were no significant changes between median pretreatment summary scores and Expanded Prostate Cancer Index Composite scores at >4 years for bowel, urinary irritative and/or obstructive, and urinary continence.

    CONCLUSIONS:

    Five-year clinical outcomes with image-guided proton therapy included extremely high efficacy, minimal physician-assessed toxicity, and excellent patient-reported outcomes. Further follow-up and a larger patient experience are necessary to confirm these favorable outcomes.

  2. Meinen Kommentar vom 20.7.2011 muss ich leider revidieren. Die TK hat eine Kostenübernahme abgelehnt. Da wir inzwischen den 13.6.2012 haben kann ich von einem Erfolg sprechen, der mich seinerzeit die Kasse wechseln ließ. Jetzt bin ich in der mhplus, Ludwigsburg, die haben meine Cyberknife-Behandlung übernommen. Diese dauert im Gegensatz zur Protonenbestrahlung nur 5 Tage. Voraussetzung ist aber, Karzinom nicht über Gleason 6,5 und PSA-Wert nicht über 20!!!!!! Ansonsten Rinnecker Protonenbestrahlung. Die hätte ich dann auch gemacht, aber so war das bei mir nicht nötig. Beide Kliniken sind in München und die sind führend in Europa! Die mhplus hätte auch die Protonenbestrahlung übernommen, die ja wesentlich teurer ist, weil sie 21 Tage erfordert.

    • Roswitha sagt:

      Wie ist es Ihnen ergangen nach der Cyberknife-Bestrahlung?
      Könnten Sie die einzelnen Schritte, die durchgeführt wurden erzählen? Wurde bei Ihnen ein Goldmarker eingepflanzt?

      • Die Goldmarker gehören zu den ersten Schritten. Mich wundert, daß Sie als Frau nach den weiteren Schritten fragen, wo es doch hier um eine Männersache geht. Gut, Sie mögen Ihre Gründe dafür haben. Ich könnte Ihnen jetzt jeden einzelnen Schritt hier an dieser Stelle aufführen, will es aber nicht. Warum? Weil das Cyberknife-Centrum gerne Auskunft gibt. Jedem, der Näheres wissen will empfehle ich diesen Weg zu gehen und sich dort beim zuständigen Professor schlau zu machen. Am besen natürlich in einem persönlichen Gespräch. Aber, wie alle ordentlichen Institute, haben die auch eine ausführliche Website.

  3. Ronald Hörstmann sagt:

    Auch ich war im Rinecker Institut und wurde dort umfassend aufgeklärt. Leider vin ich nicht bei der bayerischen AOK, die die Kosten von ca. 18.000,00 Euro trägt. Am 27.7. habe ich einen Termin in Heidelberg bei der Uni-Klinik, die seit Neuestem auch diese Protonen-Bestrahlung anbietet. Da die TK deren Empfehlung folgt, bezahlt sie das auch. Eine für mich erfreuliche Sache, denn ich war bisher der Meinung, daß nur Rinecker das in Deutschland durchführt. Nach dem 27.7. werde ich hier an dieser Stelle wieder berichten. Ronald Hörstmann, Kressbronn am Bodensee

    • Peter Heinrich sagt:

      Hallo Ronald Hörstmann,
      Haben Sie inzwischen inzwischen die Protonenbestrahlung in Heidelberg durchgeführt? Da ich mit dem gleichen Problem stehe, wäre ich Ihnen dankbar wenn ich näheres darüber erfahren könnte, Ich habe mich auch für Heidelberg entschieden.
      Meine Vorbereitungstage wären der 15/16/17. Mai 2013 es würde mir helfen, wenn ich vorher etwas wefahren könnte.
      Im voraus herzlichen Dank und Verbleibe
      mit freundlichem Gruß
      Peter Heinrich

  4. Fritz sagt:

    Sehr geehrter Dr Hettich,

    ich stehe kurz vor einer Biopsie wegen eines erhöhten PSA und informiere mich darüber, welche Therapien auf mich zukommen könnten.
    Hier habe ich eine sehr umfassende Übersicht gefunden:
    http://www.med2click.de/Urologie/Onkologie%20und%20Tumoren/Prostatatumoren/Prostatakarzinom.19860.html
    Ist mit Strahlentherapie oder Brachytherapie die von Ihnen genannte Protonenbestrahlung gemeint oder ist die Protonentherapie ein neueres Feld, dass noch nicht aufgeführt ist und in welchen Stadien kann man diese Therapie anwenden?

    • drhettich sagt:

      Die Protonenbestrahlung wird der Strahlenbehandlung zu gerechnet. Sie unterscheidet sich jedoch von der konventionellen Röntgenbestrahlung durch verschiedene Energiestufen beim Eindringen in den Körper. Zudem ist die Protonenbestrahlung präzise kontrollierbar. Diese Art der Strahlenbehandlung wird im Rinecker Proton Theraphy Center angeboten. Mit den dortigen Ärzten können Sie abklären, ob für Sie eine solche Strahlenbehandlung in Frage kommt. Sie erreichen diese Klinik telefonisch unter 089/66068-0.
      Doch zuerst steht ja bei Ihnen eine Biopsie aufgrund erhöhter PSA-Werte an. Welche Faktoren auf Ihren PSA-Wert Einfluss nehmen lesen Sie in meinem Artikel „Verschiedene Faktoren verfälschen den PSA-Test“ .
      Ich wünsche Ihnen das Beste für Ihre Prostata-Gesundheit
      Ihr Dr. Ralf Hettich

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